BLK-Programm Sinus
Set 2 Schleswig-Holstein
Bernd Huhn, Immanuel-Kant-Schule
Neumünster, 6.2.2000
Rückmeldung zu dieser
Datei bitte an huhn.abfl@t-online.de
(Bernd Huhn)
| Das Wichtigste in Kürze:
Aufgabe zu Physik 11, Mechanik, Impulssatz; modellhafte Berechnung der Geschwindigkeiten des austretenden Treibstoffs und der verbleibenden Masse während der Antriebsphase in 10 Schritten. |
| Physikkurs am Winter-Wandertag: Zehn Eisläufer E1 bis E10 stehen hintereinander auf der idealen reibungsfreien Eisbahn. Sie haben jeder die Masse m = 50 kg. Jeder hat seine Hände auf die Schultern des Vordermannes gelegt und die Arme gebeugt. Der hinterste Eisläufer E1 stößt sich nun von den restlichen neun so ab, dass er dabei einen (zusätzlichen) Impuls nach hinten mit dem Betrag p = 100kg·m/s erhält. Anschließend tut E2 dasselbe. Zuletzt stößt sich E9 von E10 ab. | ![]() |
a) Beschreiben Sie qualitativ, wie sich alle Eisläufer nach dem ersten, zweiten, dritten,..., neunten Stoß bewegen.
b) Berechnen Sie die Geschwindigkeit
der Eisläufer E9
und E10 nach dem letzten
Stoß.
| 2 Rahmendaten | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Autor, Schule | Bernd Huhn, Immanuel-Kant-Schule | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Fach | Physik | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Klasse /Jahrgang | 11 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Thema | Mechanik, Impulssatz eindimensional | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Entwicklungsstand der Aufgabe | erprobt | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 3 Lösungswege und Ergebnisse | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| a)
Qualitative Betrachtung: Wenn sich E1
abstößt, wird er schnell nach hinten gleiten, die restlichen
neun Eisläufer nur langsam nach vorne. Jeder weitere sich abstoßende
wird langsamer nach hinten fahren als sein Vorgänger, der Rest wird
zunehmend schnell nach vorne gleiten. E9
kann sich möglicherweise nach dem letzten Stoß auch vorwärts
weiterbewegen, wenn er zusammen mit E10
vor dem letzten Stoß schon schnell genug war.
b) Weg 1: Anwendung des Impulssatzes
für jeden Stoß einzeln nacheinander im ursprünglichen Schwerpunktsystem,
dabei Berücksichtigung der jeweils vorhandenen Geschwindigkeit.
Weg 2: Betrachtung eines jeden
Stoßes im Schwerpunktsystem des jeweiligen Restes, also so, als wäre
der jeweilige Rest vor dem Abstoß in Ruhe:
Zahlenwerte siehe Tabelle in Abschnitt 5. Weg 3: vE10
lässt sich allein berechnen, indem man die Impulsanteile addiert,
die E10 bei jedem
Stoß erhält, und anschließend durch seine Masse dividiert:
Nach dem letzten Stoß bewegt sich E10 mit vE10 = 5,66 m/s nach vorne und E9 mit vE9 = 1,66 m/s ebenfalls nach vorne. Sogar E8 fährt vorwärts, mit vE8 = 0,66 m/s. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 4 Unterrichtskontext | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kompetenzdefizite vor Einsatz der Aufgabe | Inkonsequente Benutzung
von Vorzeichen beim Impulssatz eindimensional,
Unkenntnis des Prinzips des Raketenantriebes (Fehlvorstellung: Abstoßen an Luft) |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Ziele | Konsequentes Anwenden des
Impulssatzes eindimensional,
Diskussion über unterschiedliche Erwartungen zum Versuchsablauf, Verständnis des Raketenantriebes |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Erwartungen zur Wirkung | a) zunächst lebhafte
Diskussion,
b) Ermüdung beim Ausrechnen der Geschwindigkeiten |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Fachliche Voraussetzungen | Impulssatz eindimensional, Richtungen durch positive / negative Impulse angegeben | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Enthaltene Wiederholung | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Anforderungsbereiche | alle | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Unterrichtsphase | a) mit nachfolgender Diskussion
im Unterricht,
b) als Hausaufgabe |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Sozialform | Gruppen- /Einzelarbeit; Plenumsdiskussion nach Bearbeitung von Aufgabenteil a) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Außerfachliche Bezüge | direkt nicht vorhanden; indirekt durch vielfältige Nutzung der Raumfahrt im Alltag (Informationstechnik, Erderkundung) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 5 Bearbeitung durch die Schüler | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Motivationswirkung | Aufgabe wird als interessant empfunden, es werden sofort Meinungen zum letzten Stoß, speziell zur Bewegung von E9 geäußert: er bleibt stehen, er fährt rückwärts, er fährt vielleicht sogar vorwärts, dann aber langsamer als E10 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Bearbeitungsdauer | a) 15 Minuten, b) ca. 30 Minuten | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Ergebnisse | a) Weitgehend richtige
Beschreibung, sachgerechte Spekulation über das Verhalten von E9
b) Berechnung der Werte in der folgenden
Tabelle zeilenweise:
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Fehler, Probleme | Ab Stoß Nr. 2 besteht das Problem, dass die restlichen Eisläufer nicht mehr in Ruhe sind. Vielen Schülern gelingt es nicht, jeweils den Impulszuwachs konsequent zum bereits vorhandenen Impuls zu addieren, um die neue Geschwindigkeit des Restes auszurechnen. Unterstützt durch Staubspur-Fahrbahnversuche (zwei Wagen werden per gespannter Blattfeder aus der Ruhe in entgegengesetzte Richtungen gestoßen) haben sie vielfach die Fehlvorstellung, der Impulssatz laute "Nach dem Stoß haben beide Stoßpartner denselben Impuls“ statt „Die Impulssumme unter Berücksichtigung der Richtungen ist vor und nach dem Stoß gleich.“ | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Vorschläge für Hilfe und Differenzierung | Vor dieser Aufgabe sollte
ein Verkehrsunfall berechnet werden: Fahrender Pkw stößt bei
extremem Glatteis frontal auf fahrenden Lkw, beide Fahrzeuge bewegen sich
ineinander verhakt weiter. Dann kann man darauf verweisen, dass die Abstoßvorgänge
der Eisläufer als Umkehrungen dieses Vorganges betrachtet werden können.
Um Einhilfemöglichkeiten individuell geben zu können, sollte die Aufgabe besser nicht als Hausaufgabe gestellt werden. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 6 Auswertung der Bearbeitung | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Dauer
des ergänzenden U.-Gesprächs
und der Sicherung |
Vorrechnen und vergleichen der Ergebnisse: ca. 20 Minuten | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Folge-/Zusatzaufgabe | Das Weg-Zeit-Diagramm ist
mit den errechneten Geschwindigkeitswerten recht mühsam zu zeichnen;
es bietet sich an, für die Rechnung und die Zeichnung geeignete Computer-Programme
zu benutzen und leistungsstarken Schülern einen entsprechenden Auftrag
zu erteilen.
Der s-t-Graph zeigt zur Zeit t = 9s
sehr schön die Tatsache, dass der Schwerpunkt des Systems aus den
zehn Eisläufern während des ganzen Vorgangs bei s = 0 m , also
in Ruhe bleibt. Für die folgenden Werte wurde angenommen, dass die
Eisläufer vor dem Start jeweils 0,2 m Abstand vom Vordermann haben.
Nach Abschluß der Aufgabe ist es sinnvoll, die übliche Druckluft-Wasser-Rakete vorzuführen. Es bietet sich die Frage an, wie bei gegebener „Nutzlast“ einer Rakete eine möglichst hohe Endgeschwindigkeit bei möglichst geringer Treibstoffmasse erzielt werden kann: entscheidende Größe ist die Ausströmgeschwindigkeit des Treibstoffs aus dem Triebwerk; diese ist wiederum begrenzt durch die maximale Temperatur im Verbrennungsraum. |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Beitrag zum folgenden Unterricht | Nicht vorhanden | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Leistungsmessung | Bewertung der Hausaufgaben und der mündlichen Beiträge | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 7 Zusammenfassende Einschätzung | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Erfahrungen beim Aufgabeneinsatz | Das anfängliche Interese nimmt ab mit der Notwendigkeit zu rechnen, lebt aber wieder auf, wenn der Vorgang als Raketenantrieb interpretiert wird. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Verbesserungen | Realexperiment mit reibungsarmen Rollschuhen | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 8 Hinweise | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Tipps zum Experiment | Möglicherweise gelingt der Versuch auch wetterunabhängig mit Rollschuhen; ich hab's noch nicht ausprobiert. Mit fünf Lehrern (nicht alles Physiker) auf Schlittschuhen hat's schon geklappt. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Materialien, Literatur | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Sonstige Bemerkungen | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||